Gucci und die B-ärchen

Voller Vorfreude warteten wir auf unseren B-Wurf. Wir wussten, dass Gucci es wohl zu gut meinte und bereiteten uns auf einen größeren Wurf vor. 


Alles war schon Tage vor dem Termin bereit, damit sowohl Gucci als auch wir entspannt und gut vorbereitet zur Ruhe kommen und noch einmal vernünftig Schlaf vor-tanken konnten.

 

In den Nächten vorher war Gucci allerdings schon sehr unruhig.

 

Wir wussten, dass der Wurf auch einige Tage vor dem Termin fallen könnte, wenn die Kleinen nicht mehr genug Platz bei Mama im Bauch hätten.

 

Am sechzigsten Tag gingen wir fest davon aus, dass binnen der nächsten Stunden der erste Welpe kommen würde, alle Anzeichen deuteten darauf hin.

 

24h und etliche Anrufe in der Tierklinik später, entschlossen wir entgegen der Empfehlung der Tierärzte in die Tierklinik zu fahren und untersuchen zu lassen, ob mit unserer tapferen Gucci alles ok ist.

 

Die Herztöne der Welpen waren noch im Rahmen des Vertretbaren, aber unserer Gucci ging es - entsprechend der 42°C Außentemperatur nicht mehr ganz so gut.


Es lag nun in unserer Entscheidung ob wir noch warten oder einen Kaiserschnitt vornehmen lassen wollten.

 

Wir entschieden uns für den Kaiserschnitt, um Gucci nicht in die Gefahr einer Not-OP zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ihre Kräfte sie verließen, zu bringen.

 

Die kommenden vier Stunden sollten die nervenaufreibendsten werden, die wir bis dahin in unserer Zeit als Hundehalter erlebt hatten.

Wir saßen im Wartebereich der Klinik und waren in Gedanken bei unserer Gucci und je länger wir warteten um so flauer wurde unser Gefühl.

 

Nach knapp 3 Stunden kam eine Tierärztin die uns mitteilte, dass es elf kleine Welpen sind, vier Jungs und sieben Mädchen.

 

Dass es Guccis Kindern für den Augenblick gut ging, war natürlich erst einmal eine gute Nachricht, aber in diesem Moment wollten wir einfach nur wissen, wie es unserer Gucci geht.

 

Die Tierärztin wollte erst nicht so richtig mit der Sprach herausrücken, Gucci sei noch im OP - Es hätte Komplikationen bei der Operation gegeben.

Sie klärte uns auf, dass die Plazenten der Welpen so fest mit der Gebärmutter verwachsen gewesen wären, dass die Welpen nicht auf natürlichem Weg hätten zur Welt kommen können.

 

Gucci hätte im Rahmen einer Total-OP kastriert werden müssen. Leider hätte sie während der Narkose einen Kreislaufzusammenbruch gehabt und die Tierärzte im OP kämpften gerade um das Leben unseres Sonnenscheins.


Uns blieb das Herz stehen. Am liebsten wären wir aufgesprungen und in den Op gerannt um unser Mäuschen anzufeuern und ihr Köpfchen zu halten, ihr zu sagen, dass wir bei ihr sind und alles gut werden wird.

Die Tränen schossen uns in die Augen und wir klammerten uns an jeden positiven Gedanken den wir fassen konnten.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete sich dann eine Tür und eine Tierarzthelferin bat uns mit in ein Behandlungszimmer zu kommen. Dort warteten elf kleine Berner-Babies in einem Korb und suchten mit ihren kleinen Näschen nach ihrer Mama, aber von unserer Gucci fehlte noch immer jede Spur. 

 

Die Tierarzthelferin konnte uns leider nicht sagen, wie es unserer Gucci ging aber es würde gleich ein Tierarzt zu uns kommen und uns Auskunft geben.


Wenige Minuten später kam dann die Nachricht, auf die wir so sehr gehofft hatten. Gucci hatte die Op überstanden, sie würde noch vorerst von dem Op-Team überwacht bis ihr Kreislauf sich wieder stabilisiert hätte.

 

 

Gucci war eine Kämpferin, schon immer. Die Erleichterung die wir in diesem Moment verspürten ist nicht in Worte zu fassen.

 

Dann endlich kam unsere Gucci, wenn auch noch etwas taumelig, durch die Tür und wieder schossen uns die Tränen in die Augen - Freudentränen.

 

Wir setzten uns zu ihr auf den Boden und hielten sie einfach nur ganz fest in unseren Armen. 
Auch sie schien erleichtert, diesen schweren Kampf für sich entschieden zu haben. Einen kurzen Moment verweilten wir so und nahmen das Treiben um uns herum nicht mehr wahr.

 

Irgendwann aber spitze unsere Gucci so langsam ihre Ohren nach dem vertrauten Geräusch, welches die kleinen Berner-Kinder aus dem Korb erklingen ließen.

 

Nun kehrten wir alle in die Realität zurück. Die Tierärztin, die die Welpen betreute, teilte uns nun mit, dass alle Welpen wohlauf seien, eine Hündin jedoch nicht lebensfähig zu sein scheint.

Die Hündin hätte ein Gewicht von 180g, verdrehte Beinchen und eine schlechte Körperspannung. 
Sie hätte ganz hinten im letzten Gebärmutterhorn gelegen, nicht wie gewöhnlich in einer, sondern in drei Fruchthüllen eingewickelt und sei offenbar unterversorgt gewesen.

Es sei außerdem fragwürdig, ob die Mutter einen fehlgebildeten Welpen überhaupt annehmen würde. 
Es bestünde die Möglichkeit, den Welpen zu erlösen.

 

Wie furchtbar das Leben sein kann.

 

Unsere Tochter ging an den Korb und nahm diese kleine "fehlgebildete" Hündin an sich. Sie war perfekt. Sie war wirklich winzig aber hatte etwas ganz Besonderes an sich.

 

Ehe Gucci ihre anderen Welpen kennenlernte, ging unsere Tochter mit der kleinen Hündin zu Gucci, die zwar noch leicht benommen war von der Narkose aber das Geschehen um sich herum genau beobachtete.

Felicia setzte sich mit der kleinen Hündin in der Hand neben Gucci und sagte "Guck mal Gucci, dein Baby"...

 

Wie es weiter geht lesen Sie unter: Bonbon - Eine ganz besondere Süßigkeit

 

 

 

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